Bekannter Gefährder – und dennoch frei

Schon am Morgen nach dem Anschlag zitierten Politikerinnen und Politiker quer durch das Parteienspektrum interne Gefährderlisten, auf denen der Täter angeblich seit Monaten geführt wurde. Dem Vernehmen nach hatte er mehrfach versucht, nach Syrien auszureisen, um sich dort dem sogenannten Islamischen Staat anzuschließen. Sicherheitsbehörden bescheinigten ihm ein hohes Gewaltpotenzial.
Wie also konnte es passieren, dass ein derart vorbelasteter Mann am Tag des CSD unbehelligt durch Berlin lief? Innenpolitikerinnen fordern lückenlose Aufklärung, während das Bundesjustizministerium auf die Unabhängigkeit der Gerichte verweist. Zwischen Alarmismus und Rechtfertigung entsteht ein Vakuum der Verantwortung, das die Empörung weiter anheizt.