Schweigen im Netz, Tränen im Gerichtssaal

Während Ermittler Beweise sicherten, löschten soziale Netzwerke zahllose Posts des mutmaßlichen Täters. Freunde beschrieben ihn als still, manchmal sonderbar interessiert an früheren Schulmassakern – ein Detail, das später eine zentrale Rolle spielen sollte.
Bei der Anhörung betrat der Jugendliche den Saal in Handschellen, den Blick starr auf den Boden gerichtet. Hinter den Reihen für Presse und Öffentlichkeit schluchzten Angehörige der Toten, als die Anklage 55 Einzelvorwürfe verlas. Kein Wort kam über seine Lippen – bis zur entscheidenden Frage des Richters.
Ein Leben hinter Gittern – ohne Hoffnung auf Bewährung

„Schuldig in allen Punkten.“ Mit diesen vier Worten endete jede taktische Option der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft forderte die härteste Strafe, die das Jugendstrafrecht in diesem Fall zulässt – lebenslange Haft ohne Aussicht auf Entlassung.
Die Richterbank folgte dem Antrag. Noch bevor das Urteil fiel, erklärten Therapeuten, keine Regung im Gesicht des Teenagers erkannt zu haben. Erst als die Strafe verkündet wurde, hob er kurz den Kopf. Was er dachte, blieb ungesagt. Die Familien der Opfer sprachen anschließend von einem „zweiten Leben“, das ihnen genommen worden sei: Ein fortwährendes Urteil der Trauer.