Das Protokoll der Macht

Verfassungstreu zieht sich der Akt über mehrere Stationen: Im Schloss Bellevue reicht der Bundespräsident zunächst die Entlassungsurkunden, wenige Augenblicke später folgen die Ernennungsurkunden. Erst nach der Vereidigung im Bundestag dürfen die Neuen ihre Ressorts übernehmen.
Dieses oft unterschätzte Zeremoniell ist mehr als Formsache. In Koalitionen wie der aktuellen CDU/CSU-SPD-Regierung garantiert es, dass politische Entscheidungen verfassungskonform ablaufen – und kein Ministerium führungslos bleibt.
Wer musste wirklich gehen?

Hinter den Kulissen liefen bis zuletzt Telefonate in Serie. Ressortchefs, die noch vor zwölf Monaten als gesetzte Größen galten, waren plötzlich nicht mehr sicher. Besonders zwei Fachministerien standen im Fokus, weil dort Reformprojekte stockten.
Gleichzeitig mehrten sich Stimmen, die dem Kanzler mangelnde Geduld attestierten. Kritiker sahen den Schritt als Versuch, öffentliche Debatten um unpopuläre Themen einzudämmen. Befürworter sprachen hingegen von dringend nötigem „Frischluftzufuhr“.