Eine Stadt ringt um ihre Klassenzimmer

Die Hauptstadt hat sich längst daran gewöhnt, dass Religion im öffentlichen Raum hitzig diskutiert wird – in der Schule jedoch galt bisher das Gebot strikter Neutralität. Während Katholiken und Protestanten seit Jahrzehnten auf freiwilligen Religionsunterricht setzen, fristet das Fach Islamkunde in Berlin ein Nischendasein, oft organisiert von privaten Initiativen außerhalb des staatlichen Schulsystems.
Gleichzeitig wächst der Druck auf Lehrkräfte: In vielen Kiezen unterrichten sie Kinder, die sich nach klaren Antworten auf Sinn‐ und Wertefragen sehnen. Pädagoginnen berichten von Schülerinnen, die nach dem Wochenende mit widersprüchlichen Botschaften aus diversen Gebetsräumen zurückkommen – und von Mitschülern, die kaum wissen, wie sie damit umgehen sollen.